In the Army
Jetzt bin ich seit fast 2 Wochen im WK. In der Nähe von Sursee. Es gibt so viel zu tun es kommt mir das gähnen. Falls wir mal an einem Tag eine Stunde etwas machen ist das schon viel. Der Rest der Zeit vergeht mit nichts tun. Sehr langsam häufig. Wir haben nicht mal einen Aufenthaltsraum und schlafen in einem Raum der ca. 100 Leute beherbergt. Die Betten hängen stark durch, der Rücken macht sich am Morgen bemerkbar. Aufstehen müssen wir um 6, da es von 6 - 6.45 Frühstück gibt. Wirklich sehr früh wenn man bedenkt, dass man nur eine Stunde Arbeitszeit hat.
Unser Leutnant ist jung und stürmisch und aspiriert auf den Posten des Kommandanten Stellvertreters und zieht daher eine harte Linie durch was nicht sehr gut ankommt bei den Leuten. Eigentlich wäre er ja ganz nett, aber er hat es nicht so ganz mit der Menschenführung und stresst uns wenn es gar nicht nötig wäre. Es ist nicht immer eine Zusammenarbeit, sondern mehr ein Befehlen, damit man einen Befehl gegeben hat.
Häufig ist er aber gar nicht hier, und lässt seinen Stellvertreter, den Wachtmeister uns beaufsichtigen. Befehle oder Mitteilungen was man an einem bestimmten Tag machen wird sind meistens sehr dürftig. Also wartet man in der Umgebung des Massenlagers oder in der Beiz. Bei einem Kaffee oder Cola wohlgemerkt. So verbringen wir ganze Vor- oder Nachmittage. Mit warten. Es heisst nicht, es gibt nichts zu tun, ihr könnt diesen Nachmittag machen was ihr wollt, sondern es heisst manchmal gar nichts. Also lese ich viel.
Heute aber bin ich nach Sursee gegangen, wo 4 Leute unseres Zuges im Materiallager sind. Dort habe ich ein bisschen mitgeholfen eine Access Datenbank zu programmieren und habe geplaudert. Da ist doch mein Leutnant aufgetaucht und hat mich entdeckt und war nicht so erfreut mich dort zu finden. Auf jeden Fall meinte er ich solle wieder zurück gehen, ich hätte keinen Auftrag bekommen in Sursee zu sein.
Da muss ich im natürlich Recht geben, das hat er genau bemerkt. Er hat uns nämlich wiedermal gar keinen Auftrag gegeben. So ist er fein raus aus dem Schneider. Und ich darf ein Formular 6.5 ausfüllen mit einer Begründung warum ich mich nach Sursee begeben habe. Ich darf also sozusagen mich selber anzeigen, bezichtigen etc etc, damit mir nachher der Strick gedreht werden kann
Das erinnert mich an meine Zeit in der Rekrutenschule wo ich auch hin und wieder ein 6.5 ausgefüllt habe, aber damals meistens noch freiwillig glaube ich und in Protest der Behandlungsweise unseres Kommandanten dort.
Die Schweizer Armee ist einfach ein riesiger Leerlauf. Was wir bis jetzt gemacht haben ist vor allem Warten. Und natürlich kann man es sich einfach machen und sagen, dass Warten eine militärische Tätigkeit ist wie es unser Bataillonskommandant sagt. Aber das Warten sollte dann wohl auch Sinn machen und nicht nur vorkommen, weil man so schlecht organisiert ist, dass man die Soldaten nicht mal ausbilden kann.
Ich habe jetzt von verschiedenen Seiten gehört, dass sie eigentlich gerne was sinnvolles machen würden in diesen 3 Wochen WK. Oder gerne etwas lernen würden. Nur ist dies nicht möglich hier. Eigentlich Schade. Die Soldaten sind nicht motiviert, die Korporäle auch nicht sehr und machen keine gute Ausbildung. Ich bin mir sicher, dass auch weiter oben in der Hierarchie gesehen wird, was für eine schlechte Arbeit wir hier leisten. Es kommt mir vor wie in einem Staatsbetrieb im ehemaligen Osten. Wo man einfach Arbeit hatte, aber nicht genau wusste was man machen sollte, weil man überzählig war.
Der Soldat
June 21st, 2007 at 7:10 pm
Ha, darum musst wohl am Wochenende auf die Berge springen! Oder kraxeln? Stell dir vor, es wären auch noch alle Frauen in die Armee gepeitscht worden, wie gross der militärische Beschäftigungsdrang dann wohl wäre?
June 22nd, 2007 at 6:28 am
Dann wüssten wir uns schon selber zu beschäftigen, wenn es mehr Weiblein gäbte als es gibt. Und der Kompanieabend währe wohl auch zivilisierter.
August 14th, 2007 at 12:12 pm
Zum Glück ist das in der RS anders…
Mal schauen, wie es bei meinen zukünftigen WKs aussieht *g*